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Methoden & Forschungsdesigns

Die Seite „Methoden & Forschungsdesigns“ bietet Informationen zur Entwicklung, Umsetzung und Dissemination von qualitativen und quantitativen Forschungsprojekten. Die Studierenden erreichen so grundständige Kompetenzen in der deskriptiven und schließenden Statistik und führen ihr eigenes „kleines“ qualitatives oder quantitatives Forschungsprojekt selbständig durch. Ein weiteres Ziel ist, dass auch komplizierte wissenschaftliche Studien der Bildungswissenschaften verstanden und eingeordnet werden können. Gerade in den Bildungswissenschaften sind insbesondere quantitative Studien komplex angelegt, sei es über mehrere Befragungswellen oder in einem Mehrebenendesign, bei dem Schüler in Schulklassen und Schulen genestet sind; die Analyseverfahren sind dementsprechend komplex. Es ist uns ein Anliegen, komplexe Sachverhalte der empirischen Bildungsforschung verständlich zu vermitteln und darzustellen. 


Quantitative Methoden

Forschungsdesigns

Die quantitativen Forschungsdesigns des Instituts für fachdidaktische und bildungswissenschaftliche Forschung und Entwicklung (IFE) sind vor allem Interventionsstudien (Randomized Controlled Field Trials) mit Pretest, Posttest und Follow-up-Test und generell Querschnitt- und Längsschnittstudien in geschachtelten Datensätzen (bspw. Wissenszuwächse von Lernenden in Klassenverbänden in Schulen), die sich mit Schüler*innen, Lehrkräften, Studierenden und Hochschullehrkräften befassen.

Fragebogenentwicklung & Testdesigns

Zur Anwendung kommen Likert-Skalen (Abfragen von Eigenschaften, Verhalten), Unterrichtsvignetten, Wissenstests und Intelligenztests. Die Entwicklung neuer Frageinstrumente erfolgt unter Beachtung der Regeln der Testtheorie und der Gütekriterien Objektivität, Validität und Reliabilität und nur, falls es in der Scientific Community noch keine validierten Instrumente zum Thema gibt. Dies trifft besonders auf spezifische Fragestellungen (bspw. Wissenstests) oder neuartige Themen (bspw. neue Lernformen oder Kompetenzmessung) zu. Neue Instrumente werden mit Reliabilitätsanalysen, Faktorenanalysen und Item Response Theorie skaliert.

Quantitative Datenauswertung

Die quantitative Datenauswertung erfolgt für deskriptive Darstellungen und hypothesenprüfende Analysen mit Statistik-Software (bspw. SPSS). Zur Anwendung kommen standardmäßig in der deskriptiven Statistik Häufigkeitsauszählungen, Kreuztabellen und Balkendiagramme; in der schließenden Statistik Signifikanztests auf Mittelwertunterschiede, Korrelationen, Regression und Varianzanalysen. Spezielle Analysen werden in R (bspw. konfirmatorische Faktorenanalysen, Strukturgleichungsmodelle, Mehrebenenanalysen) und Mplus (bspw. Breakpointregression) durchgeführt. Vor der Datenauswertung wird der Datensatz bereinigt und aufbereitet (bspw. in Notepad++, Excel und SPSS). Alle Modifikationen des Datensatzes werden dokumentiert (bspw. SPSS-Syntax).

Qualitative Methoden

Allgemeines

Qualitative Methoden haben einen offenen Charakter und beinhalten die Interpretation von Interviews (und ihre Inhaltsanalyse) und Beobachtungen (auch per Video). Die Auswertung qualitativer Daten hat zum Ziel zu Systematisieren und Intersubjektivität herzustellen; sie geschieht in spezieller Software (bspw. MAXQDA). Qualitative Methoden eignen sich auch als Vorstudie zur Instrumentenentwicklung quantitativer Forschung.

Unterrichtsvideographie

...Text folgt in Kürze!

Wissenschaftliches Schreiben

Aufbau eines wissenschaftlichen Textes

Jeder wissenschaftliche Text zu empirischer Forschung hat denselben Aufbau: Einleitung, Methoden, Ergebnisse, Diskussion. Weitere Elemente sind Titel, (graphisches) Abstract, Highlights, Tabellen, Abbildungen und Literaturverzeichnis. Der wissenschaftliche Schreibstil stellt sicher, dass die Ergebnisse international und interdisziplinär rezipiert und verstanden werden.

Literatursammlung

Die Literaturrecherche und die Pflege einer zugehörigen Literaturdatenbank (bspw. Citavi, Endnote) zur fehlerfreien Einordnung, Dokumentation und Zitation der Forschung sind essentielle Voraussetzungen für wissenschaftliches Arbeiten.

Grafische Darstellung von Daten

Abbildungen sind der Eyecatcher jeder Veröffentlichung. Eine gute Abbildung sagt mehr als tausend Worte (Information/Ink-Ratio) und ist auch ohne den Fließtext lesbar. Wissenschaftliche Darstellungsweisen sind vorzugweise Balkendiagramm, Boxplot, Liniendiagramm und Punktdiagramm. Diese werden in Statistiksoftware erstellt (bspw. in SPSS oder Excel) und zur weiteren Verarbeitung als Vektorgrafik gespeichert (bspw. in Adobe Illustrator).

Wissenschaftliche Publikation

Die Wissenschaftssprache ist vorzugsweise englisch. Eine prägnante Publikation in einer angesehenen Peer-reviewten englischsprachigen Zeitschrift erhöht die Rezeption (bspw. messbar an Zitaten) gewaltig und ist ein Beleg für die gesteigerte Qualität der Arbeit, weil vor der Annahme der Publikation mehrere Korrekturphasen (Co-Autoren, Reviewer und Editor) stehen. In der (englischsprachigen) Kommunikation mit den Reviewern und Herausgebern oder als Reviewer für Fachkolleg*innen gilt es Klippen und Untiefen zu umschiffen.

 Forschungsbereiche

Distance Learning

Eine Online-Befragung untersucht derzeit, wie 2317 Tiroler Lehrkräfte unter den diversen Voraussetzungen aller Schultypen mit dem erzwungenen Fernunterricht während der Corona-Krise umgehen und wie sie sich eine Rückkehr zum Präsenzunterricht vorstellen können. Es wird erwartet, dass das Schulfach, die Schulstufe, der Schultyp und Vorerfahrung mit Fernunterricht im Vorfeld der Krise beeinflussen, was die Lehrkraft in der Krise vorfindet (bspw. geeignete Ausstattung für Fernunterricht). Daraus folgt, in welchem Umfang die Lehrkraft den Lehrplan in der Krise als Fernunterricht umsetzen kann, ob sie diesen als Erfolg bewertet und welche Schlussfolgerungen sie daraus für die Rückkehr zum Präsenzunterricht zieht. Parallel dazu beeinflussen individuelle Unterschiede in der Persönlichkeit der Lehrkraft, wie stark, motiviert oder ängstlich sie durch die Krise geht und wie sie ihren Tag im Homeoffice strukturiert. Erkenntnisse aus der Studie können dazu beitragen, die Lehrkräfteausbildung an der PH Tirol im Hinblick auf Distance Learning zu verbessern.

  Presseinformation zur DL-Studie

Außerschulische Lernorte

Außerschulische Lernorte sind vor allem in der Naturwissenschaftsdidaktik  verbreitet. Es wird vermutet, dass der außerschulische Lernort für eine Steigerung der Motivation, positive Lernemotionen, höhere Selbstwirksamkeit und größeres Interesse effektiver ist als die Schule. Die Begleitforschung wird als Randomized Controlled Field Trial umgesetzt: Schulkassen werden dem Treatment im außerschulischen Lernort, in der Schule oder der Nullkontrollgruppe randomisiert zugeteilt. Es gibt Pre-/Post-/Follow-up Testungen um Zugewinne in Interesse, Lernemotionen und Selbstkonzept zu messen. Eine entsprechend große Fallzahl (15 Schulklassen pro Treatment) vorausgesetzt, werden die Ergebnisse mehrebenenanalytisch untersucht, um der Nestung der Lernenden in den Schulklassen gerecht zu werden.

Professionsforschung (Vignettentests)

Die Messung (fach)didaktischer Lehrkompetenz (Wissen und Können) wurde in bisherigen Studien entweder durch qualitativ orientierte Herangehensweisen (bspw. in Videoanalyse) oder quantitativ (bspw. mit Vignettentests) konzipiert. Im Fokus eines Vignettentests steht die Messung der praktischen Umsetzung facettenreicher (fach)didaktischer Kompetenz als Wissen und Können im Klassenzimmer. Implizites Wissen und Können soll so auf einer expliziten Wissensebene abgefragt werden. Qualitätskriterien eines validen Messinstruments der Lehrkompetenz sind unterrichtsrelevante Vignetten mit eindeutigen Normwerten. Dabei werden die Testinstrumente auf ihre Konstruktvalidität (kriteriale Maße wie bspw. die Feststellung eines Kompetenzzuwachses im Studienverlauf bzw. mit ansteigender Lehrerfahrung) und ihre Sensitivität (Testwiederholungseffekte) untersucht.

Morningness-eveningness (Chronotyp)

Individuelle Unterschiede im Schlafrhythmus sind ein Beispiel für die Diversität der Lernenden. Viele Kinder entwickeln schon ab dem Alter von 5-7 Jahren spätere Bettgehzeiten, einen späteren Schlafmittelpunkt und Sozialen Jetlag (Diskrepanz zwischen Schlafenszeiten an Schultagen und Wochenenden). Ihre “Eveningness” (Abendorientierung) wird zunehmend ausgeprägter bis sie 16 Jahre alt sind. Durch die frühe erste Schulstunde sind die Schulkinder und Jugendlichen im Unterricht müde, dies führt zu zahlreichen psychischen Problemen und dem Konsum von Stimulanzien (bspw. Süßigkeiten, Koffein, Alkohol und Zigaretten). Maßnahmen wie die Einführung von Bettgehroutinen und abends keine elektronische Bildschirmmedien wirken der Eveningness entgegen. Jedoch ist solche Verhaltensänderung schwer umsetzbar und Morningness-eveningness nicht nur ein soziales/behaviorales/psychisches Phänomen, denn es hat biologische Wurzeln, die nicht einfach verändert werden können (eine biologische Uhr im menschlichen Körper, geleitet von einem circadianen Orchester von Hormonen). Eine einfache Lösung wären spätere (oder individuellere) Schulzeiten: dies steigert die Schulleistung, die Aufmerksamkeit und die Motivation der Lernenden.