250 Teilnehmer:innen bei Tagung zu Deutschförderung und Sommerschule am 10.4.2026
Mit einer großen Fortbildungsveranstaltung unter dem Titel „Sommerschule 2026: Sprachförderung, sprachliche Bildung und Lernprozesse in der Sommerschule – was wirkt, was fehlt, was zählt“ startete die PH Tirol unter Mehrsprachigkeitsforscherin Julia Festman die österreichweite Vorbereitung von Lehrenden auf die Sommerschule, die heuer für Schüler:innen aus Deutschförderklassen erstmals verpflichtend ist. Inhaltlichen Schwerpunkt der Tagung bildete das Thema Sprachen- bzw. Deutschförderung. Festman vermittelt und empfiehlt dabei eine von ihr entwickelte Herangehensweise, die für verschiedenste Settings – Sommerschule, Deutschförderklasse, Deutschgruppe, Deutschkurs, Deutsch integrativ im Regelunterricht – und für Kinder mit unterschiedlichen Deutschkenntnissen geeignet ist. Hundert Lehrpersonen und Studierende nahmen direkt vor Ort an der Tagung teil, weitere 150 aus ganz Österreich waren via Livestream dazugeschaltet.
Rektorin Regine Mathies freut sich über den Auftakt zur Sommerschule vonseiten der PH Tirol: „Diese Bundestagung bildet erstmals und offiziell den Auftakt für die Vorbereitungen zur diesjährigen Sommerschule. Das freut mich ganz besonders, denn damit ist die Fachtagung zugleich ein starkes Signal. Ein Signal dafür, dass wir als Bildungsinstitutionen gemeinsam Verantwortung übernehmen für alle Kinder. Wir unterstützen Schüler:innen, die sich jeden Tag aufs Neue beweisen müssen, in einer Sprache – der Bildungssprache Deutsch –, die noch nicht ‚ihre Sprache‘ geworden ist. Wir fördern Schüler:innen, die besonders begabt sind. Und wir sind da für alle Kinder, die einfach dabei sein möchten. Die Kinder zählen dabei auf Pädagog:innen, die ihre Arbeit in der Sommerschule als Chance sehen, Entwicklung und Freude am Lernen zu ermöglichen. Das Ziel der Bundestagung ist, diese engagierten Kolleg:innen bestmöglich auf den Einsatz in der Sommerschule vorzubereiten – mit Werkzeugen, die tragen, mit Materialien, die wirken und mit Methoden, die stärken.“
Sommerschule 2026 als pädagogische Herausforderung
Kinder, die sich noch nie gesehen haben, Kinder ohne Deutschkenntnisse, Kinder mit geringen, mit durchschnittlichen oder mit exzellenten Kenntnissen der deutschen (Schrift-)Sprache, Kinder mit verschiedenen Lernständen – alle treffen in der Sommerschule aufeinander. Im Rahmen der Sommerschule werden aber auch besonders begabte Schüler:innen gefördert und Unterrichtsinhalte nachgeholt. Für viele Lehrende – oftmals Studierende, aber auch erfahrene Lehrpersonen – stellt allein das Setting eine Herausforderung dar. Julia Festman, Hochschulprofessorin für Mehrsprachigkeit an der PH Tirol, hat eine Methode mit begleitenden Materialien entwickelt, die Lehrende in solchen heterogenen Lernsettings gezielt unterstützt. Mit den Bedingungen und Möglichkeiten in der Sommerschule hat sich die Mehrsprachigkeitsforscherin bereits beim Start im Jahr 2020 – forschend, publizierend und in der Vorbereitung und Begleitung von Lehrenden der Sommerschule – auseinandergesetzt. Den Auftrag, diesen Support nun für ganz Österreich umzusetzen, erhielt die PH Tirol mit Julia Festman, die mit dem Bundesschwerpunkt Fachdidaktik Deutsch in der Primarstufe seit 2022 auch österreichweiter Dreh- und Angelpunkt für Deutsch- bzw. Sprachförderung an Volksschulen ist, zusammen mit dem Zentrum Sprachliche Bildung im Kontext von Migration und Mehrsprachigkeit (BIMM) der PH Steiermark vonseiten des Bildungsministeriums.
„Es ist nicht zentral, in welchem Modell – Sommerschule, Deutschförderklasse, Deutschgruppe oder Deutsch integrativ – unterrichtet wird, sondern wie die Deutschförderung durchgeführt wird. Eine Herangehensweise, die für all diese Settings wunderbar funktioniert, ist der binnendifferenzierte, diversitätssensible Ansatz: Dabei arbeitet man zu Themen aus der Lebenswelt der Kinder, z.B. Wald, Kinder der Welt oder Wohnen. Die begleitenden Materialien sind für verschiedene Niveaus aufbereitet, holen die Kinder also auf ihrem jeweiligen Stand ab, machen Spaß und ermöglichen selbständiges ebenso wie gemeinsames Arbeiten. Damit ist die Lehrperson nach Phasen von fachlichen Kurzinputs und Wortschatzerarbeitung freigespielt für Unterstützung und die Lernatmosphäre bleibt anregend und positiv”, gibt Julia Festman einen Einblick in die Methode, die sie bei der Tagung in verschiedenen konkreten Varianten vorgestellt hat.
Tagung als Startschuss für Fortbildungsreihe zur Vorbereitung auf Sommerschule
Die österreichweite Tagung „Sommerschule 2026: Sprachförderung, sprachliche Bildung und Lernprozesse in der Sommerschule – was wirkt, was fehlt, was zählt“ möchte die Lehrenden der Sommerschule mit Freude, klaren methodischen Anregungen und motivierend auf ihre Aufgabe vorbereiten, damit Schüler:innen wie Lehrkräfte nachhaltig Spaß und Vergnügen an den Tätigkeiten finden und das Lehren wirksam ist. An die Tagung im April schließt eine neue Fortbildungsreihe mit gleicher Zielsetzung, die Lehrende der Sommerschulen österreichweit vertiefend und systematisch auf ihre Tätigkeit vorbereitet. Im Rahmen der Fortbildungsreihe stehen der Aufbau von Methodenkenntnissen via Webinare und die Bereitstellung von sofort einsetzbaren Materialien im Mittelpunkt. Eine begleitende Webseite mit Webinaraufzeichnungen und Materialien wird gerade aufgebaut, zu finden unter Zentrum Sprachliche Bildung im Kontext von Migration und Mehrsprachigkeit (BIMM) der PH Steiermark.
Tagungsprogramm: Praxis und Vielfalt an Methoden und Ideen
Das Programm am Vormittag umfasste Vorträge und Einblicke aus der Praxis der Sommerschule zu besonders wichtigen Bereichen der Deutschförderung, wie Wortschatzförderung, Zuhören und Sprechen, Lesen und Schreiben. Dabei wurden auch konkrete Impulse und Praxisideen für Aufbau und Durchführung der Sommerschule gegeben, um diese zwei Wochen wirksam und für alle motivierend zu gestalten. „Aus unserer Erfahrung bietet sich ein klarer Aufbau für die Sommerschule an: Eine Stunde Deutsch, eine Stunde Mathe, zwei Stunden Projektunterricht,“ so Julia Festman. Aber auch der Umgang mit Herausforderungen, wie Erstkontakt mit Kindern, die wirklich kein Deutsch können, wurde behandelt. Darüber hinaus sprach Festman mit mehreren Expert:innen aus der Praxis im Bereich Sommerschule: Josef Vögele von der KPH Edith Stein als langjähriger Praxisberater in der Sommerschule, Katharina Sieberer-Nagler von der Volksschule Kufstein als engagierte Standortleitung der Sommerschule zusammen mit einem Lehrerinnenteam, Julia Klingler, selbst Lehrperson in der Sommerschule und engagiert in der Leseförderung.
Am Nachmittag stellte das Tagungsteam – Studierende, Lehrende der PH Tirol und Lehrer:innen – vielfältige Materialien vor. Gezeigt wurden u.a. der Lesekoffer, verschiedene Förderspiele, themenbezogene und diversitätssensible Materialien zum Thema Wald, Wohnen und Kinder dieser Welt, aber auch Schüler:innenprodukte aus den Sommerschulen, beispielsweise Briefe von Kindern. Das Repertoire der Materialien erstreckte sich von bereits in der Sommerschule bewährten Materialien, wie jene aus den von Festman (2025) entwickelten Sprachenkoffern, zu gänzlich neuen Materialien, wie jenen zum diversitätssensiblen Arbeiten mit Kinderportraits. Alle vorgestellten Materialien sind mehrfach binnendifferenziert – d.h. sie können von der Anfänger:in bis zum Fortgeschrittenen verwendet werden, somit lernt jedes Kind auf seiner Entwicklungsstufe. Dadurch eignen sich die Lehrmaterialien besonders für die Arbeit in heterogenen Lerngruppen, sowohl in der Volksschule als auch in der Mittelschule oder Unterstufe. In parallel stattfindenden Workshops konnten die Materialien dann gleich ausprobiert werden.
Julia Festman über ihren Ansatz: „Mit unserem Ansatz wollen wir die Schüler:innen unterstützen, schnell in der deutschen Sprache sicher zu werden. Sie sollen Anreize und viele Gelegenheiten bekommen, die neuen Sprachbausteine, die sie lernen, aktiv anzuwenden. Durch gehirnfreundliches Lernen unterstützen wir sie beim Erwerb der deutschen Sprache sowie beim Aufbau ihrer kommunikativen sowie schrift- und bildungssprachlichen Kompetenzen. Und die Schüler:innen sollen als ganz aktiver Teil der Gruppen und Klassen, in denen sie lernen, agieren. Dazu braucht es ganz gezielte Unterstützung. Erste Schritte in diese Richtung wurden durch die Ansätze des sprachsensiblen und sprachbewussten Unterrichts bereits gebahnt. Aber das reicht meines Erachtens noch nicht. Wir wollen mit dem diversitätssensiblen Ansatz noch ein paar Schritte weitergehen und die Schüler:innen wirklich auch in ihrer Individualität und Persönlichkeit dabei haben, wenn Lernen stattfindet. Daher ist es wichtig, ihnen Raum zu geben, all ihre Ressourcen aus ihrer Lebenswelt beim Lernen gezielt einzubeziehen.“
Zum Abschluss wurde gemeinsam reflektiert, etwa zu den Fragen, wie ein Sommerschul-Konzept 2026 an der eigenen Schule aussehen oder welches Set an Materialien vorbereitet bzw. von den präsentierten Materialien genutzt werden könnte. Die Besucher:innen stellten damit ihr eigenes Inventar an konkreten Ideen, Materialien und Konzepten für die direkte Umsetzung in ihrer Sommerschule zusammen.