Die Pädagogische Hochschule Tirol erhielt im Dezember 2025 als erste Tiroler Hochschule gemeinsam mit der Praxismittelschule und der Praxisvolksschule das österreichische Umweltzeichen. Damit honorieren das Bildungs- und das Umweltministerium das umfassende Engagement der Hochschule und der beiden Schulen für ökologische, soziale und ökonomische Nachhaltigkeit, die fest in Lehre, Forschung und Schulalltag verankert ist. Die offizielle Verleihung des Umweltzeichens findet im Laufe des Jahres in Wien statt.
Nachhaltigkeits-Highlights der Hochschule: Bewusstsein, Ganzheitlichkeit und eigene Fachstelle
Mit der freiwilligen staatlichen Zertifizierung durch das österreichische Umweltzeichen ist die Pädagogische Hochschule Tirol Vorreiterin unter den Tiroler Hochschulen. Punkten konnte die PH Tirol, die sich parallel mit Praxisvolks- und -mittelschule zertifizieren ließ, in allen drei Nachhaltigkeitsdimensionen: ökologisch, sozial und ökonomisch. Von vierzig erforderlichen Punkten erreichte die PH Tirol mit hundert Punkten insgesamt 250 Prozent der anzustrebenden Zielwerte. Die Zertifizierung erfolgte damit ohne weitere Auflagen und mit großem Lob. Besonders hervorgehoben wurden im Auditgutachten das Nachhaltigkeitsbewusstsein der Hochschulgemeinschaft, die Ganzheitlichkeit der Nachhaltigkeitsaktivitäten und die Einrichtung einer eigenen Fachstelle für Bildung für Nachhaltige Entwicklung inklusive eines BNE-Qualitätszirkels (BNE, Bildung für Nachhaltige Entwicklung).
„Wir wurden im Zertifizierungsprozess bestätigt, dass wir im Hinblick auf alle drei Nachhaltigkeitsdimensionen sehr gut aufgestellt sind, insbesondere auch unsere betriebliche Nachhaltigkeit betreffend. Wir sind aktuell dabei, ein Arbeitsprogramm auf für die nächsten vier Jahre abzuleiten und die Nachhaltigkeitsstrategie der Hochschule, basierend auf dem Audit, nachzuschärfen. Neben Vertiefungen bereits bestehender Aktivitäten – wie die verankerten BNE-Kompetenzen in den Curricula aller Studienprogramme, BNE-Forschung, deren Transfer für nachhaltige Bildungssysteme und das kontinuierliche Voranschreiten entlang des CO2-Reduktionspfades –, wird in den nächsten Jahren die soziale Nachhaltigkeit in den Mittelpunkt gestellt“, erklärt Martina Überall, Leiterin der Fachstelle Bildung für Nachhaltige Entwicklung der PH Tirol.
Praxisvolksschule und Praxismittelschule beispielgebend für andere Schulen
Die Praxisvolksschule punktete mit den – auch für andere Schulen vorbildlichen – Konzepten für den FreiDay und die Lernateliers. Bewegungsförderung im Unterricht und die Aktivitäten zum sozialen Schulklima, darunter das Beziehungsinnovationskonzept „ZuhörZeit“ oder die Initiative „Mind-the-Mind – Take care of your mental health“ der Praxismittelschule wurden als beispielgebend für andere Schulen besonders gewürdigt.
Best Practice: Freicampus der PH Tirol mit Hortus-Beeten und Campus-Bienen
Auf den Dachterrassen der PH Tirol befinden sich Hochbeete, die seit 2023 von Studierenden und Mitarbeiter:innen bewirtschaftet werden, deren Herzstück der „Hortus“ darstellt: es wurden Beete kultiviert mit vorwiegend regionalen, teils alten und seltenen traditionellen Sorten, wodurch die Biodiversität am Campus steigt. Am Hortus angesiedelt ist außerdem ein Bienenlehrpfad. Junge Menschen erfahren dort praxisnah ökologische Zusammenhänge, nachhaltige Ernährung, Biodiversität und verantwortungsvolles Handeln. Durch gartenbasiertes Lernen, Citizen Science und Umweltbildung werden nachhaltige Handlungskompetenzen aufgebaut und globale Nachhaltigkeitsziele im lokalen Bildungsalltag konkret umgesetzt – im Einklang mit Bildungs- und Klimazielen auf EU-, Bundes- und Landesebene. Im Auditprozess zum Umweltzeichen wurde der Hortus als Best Practice bewertet.
„Studierende und Schüler:innen der Praxisschulen haben im Projekt ‚Hortus‘ die Gelegenheit, den Weg vom Samen auf den Teller direkt zu erleben, ins aktive, partizipative Tun zu kommen und den Theorie-Praxis-Transfer als Hands-on-Erlebnis zu erfahren. Gleichzeitig wird das Projekt begleitend beforscht, um für eine evidenzbasierte Weiterentwicklung des gartenbasierten Lernens sowie für die Entwicklung wirksamer Lehr- und Lernformate für den Erfahrungsraum Garten zu sorgen“, so Martina Überall, die als Fachstellenleiterin den Hortus als Projekt mitverantwortet.
„Es ist großartig, dass unsere Schülerinnen und Schüler durch praktische Arbeit am Hochschulcampus lernen dürfen“, berichtet die Direktorin der Praxisvolksschule, Cornelia Walder, „die Kinder sind begeistert von der riesigen Rübe ‚Resi‘, aus der sie Püree und Suppe zubereiten – ein Gemüse, das viele von ihnen zum ersten Mal in ihrem Leben sehen. So lernen sie auf anschauliche Weise alte, traditionelle Gemüse- und Obstsorten kennen und erfahren, wie Ernährung, Nachhaltigkeit und Natur praktisch zusammenhängen.“
Neue PV-Anlage: spart CO2 wie 939 Bäume
Auf den Dächern der Pädagogischen Hochschule Tirol wurde auch eine neue Photovoltaikanlage installiert, die im November 2025 in Betrieb genommen wurde. Die PV-Anlage wurde auf vier Dächern des Campus errichtet und ermöglicht mit einer innovativen Ost-West-Ausrichtung einen höheren Tagesertrag im Vergleich zur herkömmlichen Süd-Ausrichtungen. „Durch diese Ausrichtung wird eine gleichmäßigere Energieproduktion über den Tag hinweg gewährleistet. Außerdem wurden für jede der vier Dachflächen spezielle Wechselrichter eingesetzt, die eine optimale Leistungsausbeute gewährleisten“, erklärt Werner Kohlegger von der BIG. Mit einer maximalen Leistung von 185 kW und einem jährlichen Ertrag von 240 MWh wird die Anlage einen entscheidenden Beitrag zur nachhaltigen Energieversorgung der Hochschule leisten. Die CO2-Einsparung entspricht der Pflanzung von rund 939 Bäumen. Damit setzt die PH Tirol gemeinsam mit der Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) als Eigentümerin der Liegenschaft ein weiteres starkes Zeichen für Nachhaltigkeit. Im Auditbericht des Ministeriums wurde die Installation der PV-Anlage gewürdigt und ein weiterer Ausbau der Solarzellen empfohlen.
Zukunftsprojekte: Freicampus als Experimentierfeld und Schulgarten
Rund um den Freicampus der PH Tirol entstehen laufend neue Projekte, wie das Projekt „Sprouting Hortus“, das gerade neu startet und aus einer Kooperation mit dem globalen Süden hervorgeht. Entstehen sollen in Zukunft außerdem eine eigene Freiluftklasse und ein großes Experimentierfeld, an dem fächerübergreifend sowie schul- und hochschulübergreifend gearbeitet, gelernt und gelehrt werden kann. Im Mittelpunkt steht damit die stärkere Nutzung des PH-Tirol-Freicampus als Lern- und Erfahrungsraum für Studierende, Lehrpersonen und Schüler:innen. „Ziel ist, Lerngärten noch stärker in Lehre und Unterricht zu integrieren, den Freicampus aktiv mitzugestalten und einen Beitrag zur Weiterentwicklung des Garten-basierten Lernens zu leisten“, so Martina Überall.
Rektorin Regine Mathies: „Nachhaltigkeit ist eine der Top-Prioritäten unserer Hochschule. Die wirksame Zusammenarbeit vieler verschiedener Player innerhalb der Hochschulgemeinschaft ebenso wie mit externen Partner:innen, etwa der BIG Bundesimmobiliengesellschaft oder der Tiroler Hochschulkonferenz, zum Thema Nachhaltigkeit beruht auch auf dem Wissen um die Wirksamkeit der gesetzten Maßnahmen. Mit der Zertifizierung durch das Österreichische Umweltzeichen fühlen wir uns bestätigt in der Realisierung der Nachhaltigkeitsagenden unserer Hochschule, ganz nach dem Motto ‚Wir leben, was wir lehren‘: Wir schaffen Bewusstsein, wir stellen uns dem gesellschaftlichen Wandel, wir fördern Innovation und wir arbeiten für unsere Zukunft.“
Martina Überall, Leiterin der Fachstelle für Bildung für Nachhaltige Entwicklung an der PH Tirol: „Die Auszeichnung mit dem Österreichischen Umweltzeichen steht für die erfolgreiche und enge Zusammenarbeit am gesamten Bildungscampus. Nachhaltigkeit ist für uns kein Schlagwort, sondern ein gelebtes Anliegen. Nach dem Audit ist vor dem Audit – der Prozess endet nicht mit der Verleihung, vielmehr verstehen wir ihn als kontinuierliche Aufgabe, bei der wir konsequent dranbleiben. Als hohes staatliches Qualitätszertifikat unterstützt das Österreichische Umweltzeichen die Pädagogische Hochschule Tirol dabei, die nachhaltige Entwicklung der Institution weiter zu stärken und dieses Engagement sowohl nach innen als auch nach außen sichtbar zu machen.“
Michael E. Luxner, Direktor der Praxismittelschule: „Die Verleihung des Umweltzeichens an die Praxismittelschule ist für uns nicht nur eine Auszeichnung, sondern eine Bestätigung unserer täglichen Arbeit. Nachhaltigkeit, Umweltbewusstsein und Gesundheitsförderung sind bei uns gelebte Praxis. Wir möchten unseren Schüler:innen nicht nur Wissen vermitteln, sondern sie dazu befähigen, Verantwortung für sich selbst, ihre Mitmenschen und unsere Umwelt zu übernehmen. Das Umweltzeichen gibt uns Orientierung, wenn wir als Modell- und Forschungsschule daran arbeiten, unsere Schule als einen Lern- und Wohlfühlort zu gestalten, an dem zukunftsrelevante Kompetenzen vermittelt und nachhaltiges Handeln vorgelebt werden. Gemeinsam als Team aus Lehrenden der Schule und Hochschule, Studierenden und Erziehungsberechtigten setzen wir uns dafür ein, dass unsere Schule ein Ort wird, an dem Bildung für nachhaltige Entwicklung aktiv gelebt wird.”
Cornelia Walder, Direktorin der Praxisvolksschule: „Die Verleihung des Umweltzeichens ist eine wunderbare Bestätigung für die tägliche Arbeit unserer Schule. Mein besonderer Dank gilt unseren engagierten Lehrpersonen, die Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein nicht nur vermitteln, sondern bewusst vorleben. Diese Haltung prägt unseren Schulalltag und gibt unseren Schülerinnen und Schülern wichtige Werte für ihre Zukunft mit. Als Praxisschule ist es uns ein großes Anliegen, dieses Bewusstsein auch an unsere Studierenden weiterzugeben, die bei uns ihre Schulpraxis absolvieren, und sie für eine verantwortungsvolle pädagogische Arbeit zu stärken. Das Umweltzeichen zeigt, dass Bildung für uns untrennbar mit Verantwortung für Mensch und Umwelt verbunden ist. Darauf sind wir als Schulgemeinschaft sehr stolz.“
Fact Box: Das Österreichische Umweltzeichen
Mit dem Österreichischen Umweltzeichen werden das Wissen und Handeln zu Umwelt und
Klimaschutz, Gesundheitsvorsorge und Bildungsqualität in Schulen und Pädagogischen Hochschulen gefördert. Darüber hinaus ist das Umweltzeichen ein Anstoß für Klimaschutzprojekte in den Regionen
und Gemeinden und unterstützt die Umsetzung der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung (SDGs).
Das Österreichische Umweltzeichen wurde 1990 vom Umweltministerium eingeführt und ist das einzige umfassend staatlich geprüfte Umweltsiegel in Österreich. Zu den wesentlichen Zielen zählen bewusster Konsum, umsichtiger Umgang mit Ressourcen, nachhaltiges Wirtschaften und Bildung für eine nachhaltige Entwicklung. Die Zertifizierung ist freiwillig, wird vom VKI im Auftrag des Bildungs- bzw. Umweltministeriums durchgeführt und steht für die hohe Umweltqualität von Produkten und Dienstleistungen, für nachhaltige Betriebsführung und soziale Verantwortung.