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Erasmus completa tu vida! (Veronika Nolle)

Erasmus completa tu vida! (Veronika Nolle)

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“Die Welt ist ein Buch. Wer nie reist, sieht nur eine Seite davon.“ (Augustinus Aurelius)

Im September 2021 startete ich mein Erasmussemester an der „Universitat de Valencia“ in Spanien. Da ich schon immer für das Land Spanien mit all seinen Facetten schwärme, war die Entscheidung schnell getroffen, wo ich mein Erasmussemester verbringen möchte. Und statt einem Semester wurde es dann das ganze Schuljahr. Ein Jahr voller Abenteuer. Es gab sowohl Höhen und Tiefen während dem Jahr aber im Allgemeinen kann ich nur sagen:

Erasmus lasts a few months but you will forever be grateful for the great experiences you made!

Vor der Abreise

Vor der Abreise sind einige Vorkehrungen zu tätigen. Es ist auf jeden Fall empfehlenswert eine Auslandskrankenversicherung zusätzlich abzuschließen. Außerdem ist es angebracht, vor dem Aufenthalt einen Spanischkurs zu belegen, wenn man keine Sprachkenntnisse hat. Nicht zuletzt sollte man sich vor der Abreise schon um eine Wohnung kümmern, da die guten Wohnungen schnell vergeben sind.

Man sollte sich nach der Ankunft beim Centro de Salud in seinem Viertel melden, um dort eine Versichertenkarte (SIP) zu bekommen. Diese kann man dann im Centro de Salud selbst oder auch im Krankenhaus benutzen.

Die Wohnungssuche in Valencia läuft nicht so wie in Innsbruck. In Valencia gibt es viele Agenturen, die Zimmer an Studenten vermieten, aber auch die Vermieter*innen selbst kümmern sich um die Mieter*innen. So kennt man seine Mitbewohner*innen meistens im Vorhinein nicht. Für die Suche bieten sich Internetseiten, wie Idealista, Badi, Spotahome, erasmusu, valenciaflatshare an, aber auch Facebookgruppen sind ein guter Anlaufort. Idealista ist mit der deutschen Webseite wg-gesucht gleichzusetzen. Bei den anderen Plattformen muss man oft eine Vermittlungsgebühr zahlen. Außerdem kann man bei zwei Erasmusagenturen (Happy Erasmus und ErasmusLife) auch fündig werden, da diese auch Zimmer anbieten. Die Miete beläuft sich auf circa 230 bis 400 Euro. Es gibt einige Dinge, die man bei der Wohnungssuche in Valencia auf jeden Fall beachten sollte. Wenn man von zuhause aus nach einem Zimmer sucht, sollte man sich das Zimmer immer über ein Videotelefonat zeigen lassen. Außerdem ist ein großer Vorteil, wenn das Zimmer eine Heizung und eine Klimaanlage hat, denn die Wände sind nicht isoliert, so wird es im Winter sehr kalt im Zimmer und im Sommer sehr heiß. Zudem sollte man wissen, dass die Studentenwohnheime in Spanien meist teurer sind als eine Wohnung. Im Zentrum (Ruzafa oder El Carmen) sind die Wohnung relativ teuer und man braucht auch länger zur Uni. Die meisten Studenten wohnen entweder in dem Viertel Blasco Ibañez oder Benimaclet. Ich selbst habe auch etwas weiter weg gewohnt von der Uni als die anderen Erasmus-Studenten, aber mit der Straßenbahn war ich in 15 Minuten in der Uni.

Universitat de Valencia

Die Universität „Universitat de Valencia“ unterscheidet sich sehr von der Pädagogischen Hochschule Tirol in Innsbruck. Angefangen bei der Größe der Uni bis hin zu den Credits, welche es für jedes Fach gibt. Die Universität ist riesig, da muss man sich am Anfang erst einmal zurechtfinden. Mit ihren ca. 60 000 Studenten ist sie eine Nummer größer als die PH Tirol. Die verschiedenen Fakultäten sind auf unterschiedliche Campus aufgeteilt. Die Facultad de Magisterio befindet sich am Campus Tarongers und das Ambiente dort gefiel mir sehr. Zwei Gebäude, wo die Kurse stattfinden und dazwischen befinden sich die Turnhalle, die Bibliothek und die Cafeteria.

Aber nicht nur die Uni ist groß, sondern auch die Anzahl an Personen in den Kursen. So ist man in jedem Fach mit circa 50 weiteren Personen in einem Raum zusammen. In jedem Fach gibt es viele Gruppenarbeiten und auf Präsentationen wird an der Uni sehr viel Wert gelegt. Ein großer Unterschied ist, dass man jeden Kurs zweimal pro Woche jeweils zwei Stunden hat und so eine viel kleinere Menge an Kursen pro Semester hat. Dies hat Vor- aber auch Nachteile, denn die ECTS-Punkte reichen von 4,5 bis 9. Da man jedes Semester 30 ECTS braucht, belegt man dann pro Semester immer nur circa 5 Kurse. Außerdem gibt es am Ende des Semesters dann eine Klausurenphase, wo man in einem Zeitraum von zwei Wochen alle Klausuren schreibt.

Das Lehrangebot ist sehr vielfältig. Da ich noch keinen Schwerpunkt hatte, konnte ich zwischen allen Kursen wählen, die angeboten werden. Da die Uni und auch die Fakultät sehr groß sind, war die Kursauswahl das Einfachste. Das Schwierigste war, sich einen Stundenplan zu erstellen, da es in jedem Fach circa 15 Klassen gibt und man so schauen musste, wie es von der Uhrzeit am besten in den Stundenplan passt. Den fertigen Stundenplan schickt man dann an die spanische Koordinatorin und diese fügt einen dann in die Kurse hinzu. Da ich nur Kurse auf Spanisch gewählt hatte, hatte ich keine Probleme in die Kurse zu kommen. Meine Kommilitonen, die ihre Kurse auf Englisch belegt haben, mussten noch einige Kurse wechseln, weil die Kurse voll waren.

Aber zwei Dinge unterscheiden sich nicht von der Pädagogischen Hochschule. Es sind ebenso kaum männliche Studierende in den Kursen zu finden und es herrscht Anwesenheitspflicht in jedem Fach. Erasmusstudenten nicht ausgenommen.

Leben in Valencia

Mit seiner Größe bietet Valencia alles, was man zum Leben braucht. Die Altstadt ist zusammen mit der "Ciudad de las Artes y Ciencias" das kulturelle Angebot der Stadt. Der Turia-Park, ein trockengelegtes Flussbett bietet sich fürs Picknicken, Sonne tanken aber auch fürs Joggen und Radfahren an. Um von der Altstadt ans Meer zu kommen, muss man auf öffentliche Verkehrsmittel zurückgreifen oder mit dem Fahrrad fahren. Dort kann man surfen, stand-up paddeln, Beachvolleyball spielen, baden, picknicken oder einfach nur Sonne tanken. Der Strand in Valencia ist ein Stadtstrand, so sollte man dort seine Sachen nie unbeaufsichtigt lassen, denn die Viertel Malvarrosa und El Cabañal, die direkt am Strand liegen sind die Armenviertel von Valencia und am Strand wird daher viel gestohlen. Trotzdem ist der Strand total schön und man kann dort viel Spaß haben. Wenn man einen Strand sehen möchte, der umgeben von Natur ist und nicht so voll ist, sollte man unbedingt in den Naturpark Albufera an den Strand El Saler.

Die Uni hat ein vielfältiges Angebot an Sportaktivitäten, was man auf jeden Fall nutzen sollte. Wenn man nicht so sportlich aktiv ist, gibt es aber genug andere Dinge, die man in seiner Freizeit in Valencia machen kann. Ich habe viel Zeit am Strand verbracht, auch ab und zu zwischen meinen Kursen an der Uni, weil meine Fakultät nur 10 Minuten mit dem Fahrrad vom Strand entfernt lag. Meine Wochenenden habe ich meistens auf einem Ausflug verbracht. In Valencia gibt es viele Organisationen (ESN, Happy Erasmus, SoyErasmus, ErasmusLife, Valencialanguageexchange, …), die jedes Wochenende die verschiedensten Ausflüge planen, aber auch unter der Woche verschiedene Aktivitäten anbieten, wie einen Language Exchange, ein Pub Quiz und vieles mehr. So habe ich die schönsten Dörfer und Städte in der Nähe von Valencia erkundet, aber auch die Natur kennengelernt. Wenn man eines in der Umgebung von Valencia kann, dann ist es wandern. Und das sollte man auf jeden Fall tun, denn bei den Ausblicken wird man sprachlos.

Das Nachtleben in Valencia kommt auch nicht zu kurz. Es gibt eine Vielzahl an Clubs und Bars, sowohl outdoor als auch indoor. Vor allem im Sommer ist in Valencia auch spät abends noch viel los, denn das Leben in Spanien findet auf der Straße statt.

Die öffentlichen Verkehrsmittel fahren tagsüber sehr regelmäßig. So kommt man sowohl mit der Straßenbahn als auch mit dem Bus oder der Metro schnell an sein Ziel. Allerdings sieht es nachts leider etwas anders aus. Die Metro fährt nur bis Mitternacht und Nachtbusse gibt es nur zwei. So muss man dann doch öfter auf das Taxi oder das Fahrrad umsteigen. Allerdings gibt es in Valencia die Valenbisis, ein „public bicycle-system“, das von allen Erasmusstudenten genutzt wird. Ein Jahresabo kostet circa 30 Euro und obwohl die Fahrräder viel wiegen lohnt es sich doch. Man gewöhnt sich an das Gewicht und so spart man sich nach einer langen Party Nacht doch einiges an Geld. Sobald man sich ein bisschen in Valencia auskennt, kann man aber auch viel zu Fuß machen. Da ich jeden Tag mit der Bahn zur Uni fahren musste, habe ich relativ viel Geld für die öffentlichen Verkehrsmittel ausgegeben. 10 Fahrten kosten 8 Euro.

Abschließend kann ich sagen, dass ich ein Erasmus Semester in Valencia wärmstens empfehlen kann. Ich habe die Zeit dort sehr genossen, habe Menschen aus aller Welt kennengelernt, viele neue Freundschaften geschlossen und so viel erlebt, was ich nie vergessen werden. Ich habe an der Universität viele Erfahrungen sammeln können und viel Neues gelernt. Die Dozent*innen sind größtenteils sehr zuvorkommend, nett und hilfsbereit. Auch die Student*innen sind sehr nett und helfen einem immer weiter. Es gibt nur wenige Ausnahmen an Dozent*innen, die Erasmusstudenten nicht in ihren Kursen mögen. Die Stadt ist voller Studenten, so ist auch immer viel los. Zudem gibt es in Valencia immer wieder große Feste, also taucht man auch ständig in die spanische Kultur ein. Die Menschen sind alle sehr offen, sehr freundlich und hilfsbereit. Von Valencia kann man außerdem auch an jeden beliebigen Ort in Spanien fahren, egal ob mit BlablaCar, dem Bus oder dem Zug.  Meiner Meinung nach eignet sich die Stadt auch sehr, da sie nicht zu groß, aber auch nicht zu klein ist. Eine perfekte Studentenstadt, wo es auf jeden Fall nie langweilig wird.

Erasmus completa tu vida!