Lernen mit Pilzen

Wie wird aus Kaffeesatz ein Lebensmittel? Welche Rolle spielen Pilze in Stoffkreisläufen? Und was können Kinder, Jugendliche und Erwachsene über Ernährung, Ressourcennutzung und Nachhaltigkeit lernen, wenn sie Pilze nicht nur betrachten, sondern selbst anbauen?

Das Projekt PHungi entwickelt an der Pädagogischen Hochschule Tirol einen modularen Pilzrundgang, der Speisepilze als anschauliches Lernmedium nutzt. An verschiedenen Stationen erfahren Besucher:innen, wie Pilze wachsen, welche Bedeutung sie für Ernährung und Kreislaufwirtschaft haben und wie sich nachhaltiges Denken und Handeln praktisch vermitteln lässt.

Der Pilzrundgang richtet sich an unterschiedliche Zielgruppen: Volksschulkinder, Jugendliche, Studierende, Lehrpersonen und interessierte Erwachsene. Die Stationen sind so gestaltet, dass sie jeweils altersgerecht erschlossen werden können – vom spielerischen Entdecken bis zur fachlichen Auseinandersetzung mit Ernährung, Ökologie und Bildung für nachhaltige Entwicklung.

Ziel des Masterprojekts ist es, Pilze als Thema für eine praxisnahe, handlungsorientierte Nachhaltigkeitsbildung nutzbar zu machen. Im Mittelpunkt steht die Entwicklung eines Lernarrangements, das sowohl am Campus der PH Tirol als auch in Schulen eingesetzt werden kann.

Ein besonderer Fokus liegt auf dem Transfer in den Unterricht. Dazu wird ein begleitendes Unterrichtskonzept entwickelt, das unter anderem zeigt, wie der Anbau von Speisepilzen im Klassenzimmer umgesetzt werden kann. So werden ökologische Zusammenhänge, nachhaltige Ernährung und Stoffkreisläufe unmittelbar erfahrbar.

Forschungsfragen

Im Zentrum des Projekts stehen folgende Forschungsfragen:

  1. Wie können der Anbau und die Nutzung von Pilzen in Bildungseinrichtungen als praxisorientiertes Lernprojekt gestaltet werden, um nachhaltiges Denken und Handeln zu fördern?
  2. Inwiefern verändert ein Pilzrundgang das Wissen über Pilze sowie das Verständnis von Ernährung, Stoffkreisläufen und Nachhaltigkeit bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen?

Pädagogisches Konzept des Rundgangs

Der Pilzrundgang ist modular aufgebaut und verbindet fachliches Lernen mit sinnlicher Erfahrung, Beobachtung und eigenem Tun. Die Stationen sind nach dem Prinzip der zielgruppenspezifischen Differenzierung gestaltet: Kinder, Jugendliche und Erwachsene werden auf unterschiedlichen Ebenen angesprochen, ohne über- oder unterfordert zu werden.

Für jüngere Kinder stehen Entdecken, Staunen und Erzählen im Vordergrund. Jugendliche und Erwachsene erhalten vertiefende fachliche Informationen zu Pilzbiologie, Ernährung, Ressourcennutzung und Kreislaufwirtschaft. Durch diese mehrschichtige Gestaltung können verschiedene Zielgruppen denselben Lernort nutzen – aber jeweils auf ihrem eigenen Niveau.

Das Konzept orientiert sich an Grundgedanken der Bildung für nachhaltige Entwicklung: Nachhaltigkeit soll nicht nur erklärt, sondern erfahrbar gemacht werden. Pilze eignen sich dafür besonders gut, weil sie zentrale Themen wie Lebensmittelproduktion, Reststoffverwertung, Biodiversität, Klimaschutz und Kreislaufwirtschaft miteinander verbinden.

Warum Pilze?

Speisepilze sind mehr als ein Lebensmittel. Sie machen sichtbar, wie aus scheinbaren Abfällen neue Ressourcen entstehen können. Viele Pilze wachsen auf organischen Reststoffen wie Holz, Stroh oder Kaffeesatz und zeigen damit exemplarisch, wie Kreislaufwirtschaft funktionieren kann.

Gleichzeitig eröffnen sie Zugänge zu nachhaltiger Ernährung: Pilze sind vielseitig einsetzbar, ressourcenschonend kultivierbar und bieten zahlreiche Anknüpfungspunkte für den Unterricht – von Biologie und Ernährung über Technik und Haushalt bis hin zu Umweltbildung und Nachhaltigkeit.

Literatur

Greening Curriculum Guidance – Teaching and Learning for Climate Action. (2024). UNESCO. https://doi.org/10.54675/aooz1758

Nakamura, J., & Csikszentmihalyi, M. (2014). The Concept of Flow. In M. Csikszentmihalyi (Hrsg.), Flow and the Foundations of Positive Psychology: The Collected Works of Mihaly Csikszentmihalyi (S. 239–263). Springer Netherlands. https://doi.org/10.1007/978-94-017-9088-8_16

Oliveira Dos Santos, W., Bittencourt, I. I., Isotani, S., Dermeval, D., Brandão Marques, L., & Frango Silveira, I. (2018). Flow Theory to Promote Learning in Educational Systems: Is it Really Relevant? Revista Brasileira de Informática na Educação, 26(02), 29. https://doi.org/10.5753/rbie.2018.26.02.29

von Körber, K. (2014). Fünf Dimensionen der Nachhaltigen Ernährung und weiterentwickelte Grundsätze – Ein Update. Ernährung im Fokus, 9–10, 260–266.