Projekte Sprachen ZFD

Fachdidaktische Konzepte im Schriftspracherwerb in Tiroler Volksschulen und der Aspekt Mehrsprachigkeit 

Nationale wie internationale Schulleistungsstudien haben mehrfach gezeigt, dass viele Kinder – zum Teil massive – Schwierigkeiten bei ganz grundsätzlichen Kompetenzen wie Lesen und Schreiben haben. Aus wissenschaftlicher Sicht fehlen empirische Befunde, die eindeutig belegen, welche der verfügbaren didaktischen Konzepte für die einzelnen Teilbereiche des Schriftspracherwerbs besonders förderlich sind (Schneider, 2017). Auch in Bezug auf Kinder mit Migrationshintergrund herrscht hier keine Klarheit. Ist es vorteilhaft, für alle Kinder eine Methode zu verwenden, oder wäre ein Methodenmix das idealere Herangehen? 

In den Vorarbeiten zu diesem Projekt wurde ein online-Fragebogen mit 29 Fragen konzipiert, der die Lehrkräfte an Tiroler Volksschulen hinsichtlich der Verwendung unterschiedlichster Methoden in den Bereichen Leseerwerb, Leseunterricht, Texte verfassen, Rechtschreibung, Hören und Sprachbetrachtung befragte. Der Fragebogen wurde eingesetzt, um einen aktuellen Ist-Stand der methodischen Verwendung im Bereich Schriftspracherwerb zu erheben. 

Die qualitativen und quantitativen Ergebnisse werden derzeit pro Bereich analysiert. Hieraus soll zum einen ein aktueller Ist-Stand der Methodenverwendung (Bundesland Tirol) entstehen. Zum anderen sollen erweiterte Möglichkeiten und Ideen für die praktische Arbeit im Deutschunterricht der Primarstufen erarbeitet und vorgestellt werden. 

Dieses Projekt wird durch Mittel der Tiroler Wissenschaftsförderung unterstützt (2019-2022).

  • Projekt-Leitung: HS-Prof. habil. Mag. Julia Festman, Ph.D.
  • ProjektmitarbeiterInnen: Mag. Dr. Sabrina Gerth, Mag. Christine Reiter, Mag. Elfriede Alber

Vorträge:

Festman J., Gerth S., Reiter C., Rauchegger C. & Alber E. (2018) Read silently page 33-41...!" An empirical study of reading instruction at Tyrolean primary schools. Vortrag wurde präsentiert von Julia Festman auf der 44. Österreichischen Linguistiktagung, 26.-28. Oktober, Universität Innsbruck.

Festman J., Gerth S., Reiter C., Rauchegger C. & Alber E. (2018) Lest jetzt leise Seite 37-39...!" Eine empirische Untersuchung des Leseerwerbs und Leseunterrichts an Tiroler Volksschulen. Vortrag wurde präsentiert von Julia Festman auf dem Grazer Grundschulkongress, 2.-4. Juli, PH Steiermark und KPH, Graz.


Sprachliche Bildung im Kontext von Migration und Mehrsprachigkeit in der Aus- und Weiterbildung 

Das Projekt untersucht die Umsetzung der Curricula der Pädagog/inn/enbildung Neu für das Studium Lehramt Primarstufe Bachelor in ausgewählten Bereichen der Aus- und Weiterbildung. Im Fokus der Untersuchung stehen Pflichtlehrveranstaltungen sowie wählbare Schwerpunktangebote zum Thema. Da derzeit ein großer Nachqualifizierungsbedarf in diesem Themenfeld besteht, werden auch Angebote zum Themenfeld in der Weiterbildung in das Projekt miteinbezogen, die eine umfassende Qualifikation in Bezug auf das Themenfeld bieten sollen. Es stellt sich die Frage, ob diese Lehrveranstaltungsformate die Studierenden entsprechend den Anforderungen und Herausforderungen des Schulalltags in Bezug auf Diversität ausbilden. Ziel des Projekts ist es aufzuzeigen, welche curricularen Inhalte tatsächlich in der Lehre umgesetzt werden und wie sich die untersuchten Aus- und Weiterbildungsformate in Bezug auf Wissenszuwachs der Studierenden sowie deren professionelle Abhaltung auswirken. Die Ergebnisse des Projekts werden im Kontext von aktuellen Standards zu Qualifikationen im Themenfeld sprachlicher Bildung im Kontext von Migration und Mehrsprachigkeit diskutiert und sollen zur Weiterentwicklung der bestehenden Aus- und Weiterbildungsformate beitragen. Das Projekt wird als Kooperation mehrerer österreichischer pädagogischer Hochschulen (PH Steiermark, PH Tirol, PH Vorarlberg, PH Wien) durchgeführt. Während die Fragestellungen und methodische Zugänge gemeinsam entwickelt werden, obliegt die Umsetzung der Forschungsaktivitäten den einzelnen beteiligten pädagogischen Hochschulen. Die Projektergebnisse erlauben sowohl einen regionalen als auch einen überregional vergleichenden Blick auf den Status Quo bzw. potentielle Entwicklungsrichtungen in Bezug auf Professionalisierung im untersuchten Themenfeld.

  • Projekt-Leitung an der PHT: Mag. Dr. Verena Gucanin-Nairz
  • Webseite: http://bimm.at 

Wie wirkt sich die Digitalisierung in Volksschulen auf den Schriftspracherwerb aus?

Aktuell wird die Debatte um die Digitalisierung in den Schulen ausgiebig in der Politik und den Medien geführt. Leider wird noch relativ wenig Grundlagenforschung zum Einsatz digitaler Medien in der Fachdidaktik betrieben. Diese ist aber essentiell, um eine Basis zu schaffen, damit die Prozesse des Schriftspracherwerbs und der Einfluss der Digitalisierung auf die schulischen Lernprozesse besser verstanden werden.

Die Forschung im Bereich der Digitalisierung im Deutschunterricht sollte viel stärker in den Fokus nehmen, ob es den Kindern Vor- oder Nachteile bringt, wenn sie in der Schule mit den neuen Medien (z.B. Tablets) lernen. Vorstudien in der Forschergruppe „Heterogenität und Inklusion“ an der Universität Potsdam zu diesem Forschungsprojekt (Gerth et al., 2016, HMS & Frontiers in Psychology) haben für den Bereich des Handschreibens auf Tablets gezeigt, dass Schreibanfänger stark von der glatteren Oberfläche eines Tablets beeinflusst sind und sich ihre Handschriftqualität und Schriftausführung verschlechtert. Aufgrund dieser Ergebnisse wird bezweifelt, dass Kinder in der Lage sind, genauso gut auf einem Tablet schreiben zu lernen, wie auf dem Papier. In diesem Forschungsprojekt an der PHT wird auf diesen Studienergebnissen weiter aufgebaut. Dazu wurden bereits Daten an der Universität Potsdam in der Forschergruppe „Heterogenität und Inklusion“ erhoben, die nun analysiert werden.

Eine mögliche Methode des Einsatzes digitaler Medien im Leseerwerb, ist das Lesen mit Hörbuch (Gailberger & Gailberger, 2010; Nix, 2011). Hierbei hört das Kind gleichzeitig den Text (z.B. jederzeit über ein Tablet abspielbar), während es selbst den Text mitliest (z.B. direkt vor sich auf dem Tablet). Vermutet wird, dass gerade schwache Leser dadurch sehr gut motiviert werden, das Lesen selbstständig zu üben (Badel & Schneider, 2005). Aber führt diese Methode lediglich zur Steigerung der Lesemotivation oder kann sie darüber hinaus basale Lesefertigkeiten trainieren? Die an der Universität Potsdam erhobenen Daten werden derzeit analysiert und verschriftlicht.

Durch das Vermitteln der aktuellen Forschungslage im Bereich der Digitalisierung und des Schriftspracherwerbs in der Volksschule im Fach Deutsch/Mehrsprachigkeit soll das Grundlagenwissen der Lehrkräfte an der PHT verbessert werden.

  • Projektlaufzeit: 1.01.2018-30.11.2021
  • Projekt-Leitung: Mag. Dr. Sabrina Gerth
  • Mentorin: HS-Prof. habil. Mag. Julia Festman, Ph.D.

Publikationen:

Klassert A., Bormann, S., Festman J. & Gerth S. (2018) Rechtschreibung von Konsonantenclustern und morphologische Bewusstheit bei Grundschüler_innenZeitschrift für Entwicklungspsychologie und Pädagogische Psychologie, 50,115-125.

Gerth S., Klassert A., Dolk T., Fliesser M., Fischer M. H., Nottbusch G. & Festman J. (2016) Is learning to write affected by the surface? Comparing preschoolers’, second graders’ and adults’ writing performance on a tablet versus paper. Frontiers in Psychology, Research Topic: Touch screen tablets touching children’s lives, 7:1308.

Gerth S., Dolk T., Klassert A., Fliesser M., Fischer M. H., Nottbusch G. & Festman J. (2016) Adapting to the surface: A comparison of handwriting measures when writing on a tablet computer and on paperHuman Movement Science, 48, pp. 62-73.

Vorträge:

Gerth S. & Festman J. (2019) Wie wirkt sich der Einsatz neuer Medien in Volksschulen auf den Schriftspracherwerb aus? Vortrag wurde präsentiert auf der Tagung „Deutschunterricht im Zeichen der Digitalisierung“ des Österreichischen Forums Deutschdidaktik (ÖFDD), 28.02.-02.03.19, Paris Lodron Universität Salzburg.

Gerth S. & Festman J. (2018) Slow readers are NOT bad readers: an eye-movement study on reading fluency while listening to an audiobook. Vortrag wurde präsentiert auf der 44. Österreichischen Linguistiktagung, 26.-28. Oktober, Universität Innsbruck.