Projektwoche Mayrhofen nach Howard Gardner

Projektwoche Mayrhofen

Wer eine Ausbildung an der Pädagogischen Hochschule Tirol absolviert weiß, wie wertvoll die praktische Ausbildung während des gesamten Studiums ist. Durch diese Praxis können wir Studentinnen und Studenten wichtige Erfahrungen für unseren späteren Berufsalltag sammeln. Die PHT legt dabei sehr viel Wert auf eine abwechslungsreiche Praxis. So steht eine Praxiswoche im 6. Semester unter dem Thema „Projektunterricht“.

Wir, 15 Studierende des NMS-Studienganges, absolvierten unsere Projektwoche vom 27. bis 31. März 2017 an der NMS Mayrhofen. Begleitet wurden wir dabei von Herrn Professor Wolfgang Haupt, MA und Herrn Mag. Dr. Peter Langer. Eines der wichtigsten Ziele dieser Projektwoche war für uns das Sammeln und Erleben von Erfahrungen mit dem Projektunterricht.  Dafür planten wir im Team jeweils zwei Projekte, die wir eine Woche lang mit kleineren Schülergruppen in Mayrhofen realisieren konnten. Dabei hatte ein Projekt jeweils ein Erstfach zum „Trägerfach“ und das andere jeweils ein Realienfach; bei beiden Projekten mussten aber fächervernetzende bzw. -übergreifende Planungen umgesetzt werden. Zusätzlich konnten wir die ersten beiden Unterrichtsstunden jeweils Unterricht nach der Methode der Freiarbeit hospitieren und praktisch erfahren; SchülerInnen der jeweiligen Klassen standen uns dafür als „Lernscouts“ zur Verfügung.

Ein gelungener Projektunterricht kann ohne eine ausführliche und gründliche Planung nicht funktionieren. Aus diesem Grund beschäftigten wir uns schon lange vor der Projektwoche intensiv mit der Organisation der einzelnen Projekte. Einige von uns wollten mit ihren Themen einen aktuellen Alltagsbezug herstellen (z.B. zum Thema „erneuerbare Energien“), andere wiederum wollten die Interessen der Kinder ansprechen (z.B. durch unterschiedliche Sportarten). Wir alle orientierten uns aber an den neun Intelligenzen nach Howard Gardner. Zu diesen zählen:

  • Sprachliche Intelligenz
  • Logisch-mathematische Intelligenz
  • Musikalische Intelligenz
  • Körperlich-kinästhetische Intelligenz
  • Räumliche Intelligenz
  • Interpersonale Intelligenz
  • Intrapersonelle Intelligenz
  • Naturalistische Intelligenz
  • Existentielle Intelligenz

Nachdem wir uns intensiv mit der Planung der Projekte auseinander gesetzt haben, konnten wir alle beruhigt in die Projektwoche starten. In vier Tagen setzten wir angehende LehrerInnen gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern richtige Großprojekt um. Um nur einige Beispiele zu nennen: Die Kinder konnten Regisseure bei ihrem eigenen Theaterstück sein, sie konnten sich die Welt mit Hilfe eines XXL-Globus erklären oder alles über verschiedene Rekorde der Erde erfahren. Sie nahmen außerdem ein eigenes Hörspiel auf, gestalteten ein Haus nach ihren eigenen Regeln, wurden zum kreativen Künstler und begaben sich auf eine aufregende Weltreise. 

Genauso interessant wie diese Themen hier klingen, genauso spannend war für uns und die Kinder auch die Umsetzung und Durchführung der einzelnen Projekte. Ein Highlight der Woche war dann die Abschlusspräsentation am Freitag. Hier konnten alle Gruppen ihre Ergebnisse der Woche stolz und mit Eifer dem Lehrerkollegium, uns Studentinnen und Studenten sowie den eigenen Familienmitgliedern präsentieren. Dafür ernteten die Schülerinnen und Schüler von allen großes Lob, viel Anerkennung und noch mehr Applaus.

Mit der Abschlusspräsentation und der anschließenden Reflexion in Mayrhofen endete für uns Studierende die Projektwoche. Von dieser Woche nehmen wir nicht nur viele Eindrücke mit, sondern auch die gesammelten Erfahrungen aus der Planung und der Umsetzung eines Projektunterrichts.

Durch die Orientierung an den Intelligenzen nach Howard Gardner lernten wir Studierenden zum Bespiel, welche Fähigkeiten und Fertigkeiten bei Schülerinnen und Schülern im (Projekt-) Unterricht konkret angesprochen, aktiviert, gefördert und gefordert werden können. Im Gegensatz zur üblichen Orientierung an Kompetenzen (Fachkompetenz, Methodenkompetenz und Sozialkompetenz), ermöglichte uns dieser Zugang eine präzisere Formulierung von Zielen für unseren Unterricht. Damit fiel es uns auch leichter, diese Ziele zu verfolgen bzw. zu realisieren.

Die Projekte wurden von uns im Team geplant und auch durchgeführt. Die Arbeit im Team zeigte uns, wie wichtig eine gut funktionierende Zusammenarbeit für die Planung und die Umsetzung des Unterrichts ist. Da das Teamteaching ein großer Teil unserer zukünftigen Arbeit sein wird, sind wir dankbar für die Erfahrung, die wir durch die Teamarbeit in Mayrhofen gemacht haben.

Eine gute Planung ist wichtig für den Unterricht, vor allem für den Projektunterricht. Für die Projektwoche mussten wir Studentinnen und Studenten schon im Voraus genau planen, welche Materialien, welche Räume und wie viel Zeit wir für einzelne Arbeitsschritte benötigten. Außerdem war es für uns hilfreich, über eventuelle Schwierigkeiten oder Hindernisse nachzudenken und diese auch zu notieren. So konnten wir Pannen weitgehend vermeiden und einen roten Faden durch die einzelnen Projekte spannen. Dennoch war es hin und wieder wichtig, spontan zu agieren. Wir nehmen daher aus der Projektwoche mit, dass eine konkrete Planung und ein gutes Maß an Spontanität und Flexibilität für den Projektunterricht essentiell sind.

Zum Abschluss dieses Berichts möchten wir uns noch recht herzlich bedanken. Ein besonderer Dank gilt vor allem Herrn Direktor Peter Lechner und seinem Lehrerteam. Sie haben uns nicht nur das Gebäude zur Verfügung gestellt, sondern auch ihre Unterstützung und ihre Hilfe. Wir fühlten uns mit unseren Projekten in der NMS Mayrhofen sehr willkommen und wurden herzlichst aufgenommen.

Weiters möchten wir auch den Familien der Kinder für das Lob und die Anerkennung für unsere Projekte danken. In diesem Zusammenhang auch ein Danke an die Schülerinnen und Schüler der NMS Mayrhofen für die gute Zusammenarbeit. Sie waren neugierig, wissbegierig und mit Freude und Eifer bei den Projekten dabei. Dadurch wurde die Umsetzung der Projekte für uns sehr erleichtert.

Der wohl größte Dank geht aber an unsere Professoren. Sie haben die Projektwoche für uns organisiert, standen uns immer mit Rat und Tipps zur Seite und unterstützen unsere Projekte wo es nur möglich war. Dadurch wurde uns eine Menge Arbeit abgenommen. Trotzdem haben sie zu keiner Zeit versucht, uns bei der Umsetzung unserer Projekte zu bevormunden oder zu beeinflussen.  Danke für die professionelle, reibungslose, tolle und humorvolle Zusammenarbeit.

Zum Schluss sei noch erwähnt, dass dieser Bericht aufzeigen soll, wie sehr uns diese Projektwoche gefallen und wie viel Spaß sie uns gemacht hat. Wir haben sehr viel Arbeit und Zeit in die Projekte investiert, konnten dadurch aber eine Vielzahl von Erfahrungen und Eindrücken sammeln und mitnehmen. Wir beenden diese Projektwoche daher mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Auf keinen Fall aber möchten wir die Zeit in Mayrhofen missen, weil wir dankbar für das Gelernte und die Erinnerungen sind.

Michaela Auer (Autorin)

Organisationseinheit: